Pränatale Diagnostik
Unter pränataler Diagnostik versteht man alle Methoden, die dazu beitragen, die Entwicklung eines Ungeborenen zu beurteilen. Möglichst frühzeitig sollen Störungen dieser Entwicklung oder Fehlbildungen ausgeschlossen oder erkannt werden. Aus den Ergebnissen lassen sich oft Maßnahmen für die weitere Betreuung der Schwangerschaft ableiten.
Welche Methoden dabei eingesetzt werden, richtet sich nach dem Schwangerschaftsalter, der konkreten Fragestellung bzw. einem eventuell bestehenden Verdacht und nach der erforderlichen Dringlichkeit. Sehr wichtig ist auch die Frage nach den Konsequenzen, die ein Untersuchungsergebnis haben würde.
Methoden
Das Spektrum umfasst dabei nicht-invasive Methoden (Ersttrimester-Diagnostik bzw. Ersttrimester-Screening , differenzierte Ultraschalluntersuchungen im 2. und 3.Trimenon, fetale Echokardiographie , Dopplersonographie ) und invasive Methoden (Amniozentese, Chorionzottenbiopsie, Chordozentese). Allerdings kann auch diese Vielfalt an Methoden nie für ein vollkommen gesundes Kind garantieren !
Über den Nutzen, die Risiken und die Grenzen der jeweiligen Methoden können Sie sich zunächst sich auf den folgenden Seiten und bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt informieren. Vor jeder weiterführenden Untersuchung werden wir darüber hinaus ein entsprechendes Beratungsgespräch mit Ihnen führen.
Beratung
Da die überwiegende Anzahl von Schwangerschaften sowohl für die Mutter als auch das Ungeborene ohne jegliche Komplikationen verläuft, trägt die pränatale Diagnostik in den meisten Fällen dazu bei, Ängste abzubauen und den Schwangerschaftsverlauf entspannt und erleichtert zu erleben.
In Einzelfällen resultieren aus den Ergebnissen der Untersuchungen jedoch neue Fragestellungen und Konflikte. Dies betrifft vor allem Schwangere, bei deren Ungeborenen eine Fehlbildung oder mögliche Behinderung, aber auch Schwangerschaftskomplikationen diagnostiziert wurden.
Daher besteht die Aufgabe der pränatalen Diagnostik auch darin, eine möglichst konkrete Beratung über das Ausmaß der Komplikation oder Fehlbildung zu ermöglichen und gemeinsam mit der Schwangeren und deren Partner im Interesse eines bestmöglichen Ausganges die weitere Betreuung der Schwangerschaft exakt zu planen. Dies erfolgt zum einen durch eine genetische Beratung in unserer Praxis und durch die Einbeziehung von Spezialisten anderer Fachdisziplinen (z.B. Kinder- Intensivmediziner, Kinderchirurgen, Kinderkardiologen, Kinder-Herzchirurgen, Neurochirurgen, Orthopäden, Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen, Geburtshelfer) in die Beratungsgespräche sowie die enge Kooperation mit entsprechend spezialisierten Kliniken .
Gleichzeitig ist in diesen Konfliktsituationen auch eine nicht-medizinische, psycho-soziale Betreuung notwendig, die in Zusammenarbeit mit professionellen Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen erfolgt.
Individuelle Entscheidung
Ob und welche Untersuchung Sie im Rahmen der pränatalen Diagnostik vornehmen lassen, ist allein Ihre individuelle Entscheidung, bei der wir Ihnen gerne beratend zur Seite stehen. Dabei sollten auch folgende Überlegungen eine Rolle spielen:
- Wie wichtig ist es für mich, so sicher wie möglich zu erfahren, dass das Kind mutmaßlich gesund ist?
- Was würde es für mich bedeuten, von einer möglichen Behinderung oder Erkrankung des Kindes zu erfahren?
- Welche Konsequenzen würde ich daraus ziehen?
- Wie kann ich mit einer Information umgehen, die keine eindeutige Aussage über das Ausmaß einer Schädigung oder Behinderung zulässt?
- Welches Risiko bin ich bereit, für den Erhalt solcher Informationen einzugehen?
